100 Kilometer. 24 Stunden. Zu Fuss. Mammutmarsch 2017 – Mein Erfahrungsbericht

Mammutmarsch – 100 Kilometer. In 24 Stunden. Zu Fuß. Ob wir verrückt sind? Vermutlich 😀

Am 05.08.2017 war es soweit und Mary & ich sind beim Mammutmarsch in München gestartet. Als wir uns damals angemeldet hatten, war uns absolut nicht bewusst worauf wir uns da einlassen werden. Jedoch haben wir schon während unserer Probeläufe (Beitrag zur Vorbereitung folgt) gemerkt, dass es sicherlich kein Zuckerschlecken werden wird!

Wenn du also auf der Suche nach einer körperlichen als auch psychischen Herausforderung bist, solltest du auf jeden Fall mal an solch einen Marsch teilnehmen. Der hat es ziemlich in sich!

Foto by Julius Ise

WAS IST DER MAMMUTMARSCH ÜBERHAUPT?

Beim Mammutmarsch geht es darum, 100 Kilometer zu Fuß in möglichst 24 Stunden zu bewältigen. Natürlich darf man auch länger laufen. Unser Ziel war es einfach die 100 Kilometer zu schaffen, ganz egal in welcher Zeit. (Vorab: Wir haben es beide nicht geschafft). Natürlich ist das ein extrem hohes Ziel, 70-80 Kilometer wäre schon eine absolut krasse Leistung.

Ich glaube einige können sich gar nicht vorstellen, was für eine extreme Belastung das ist. Ich habe einige Nachrichten in Instamessage erhalten, wieso ich den Lauf denn nicht geschafft habe oder ob ich nach 12 Stunden denn schon im Ziel wäre. Ähm ja. Jeder der denkt, dass ganze wäre doch easy, läuft am Wochenende bitte 30-40 Kilometer und darf sich danach gerne noch mal bei mir melden! 😀

Der Marsch ist vor allem reine Kopfsache! Man stößt hier nicht nur an seine körperlichen sondern auch an seine psychischen Grenzen. Eigentlich kann jeder der mehr als 20 Kilometer schafft super stolz auf sich sein! So viel schaffen andere Menschen nämlich ihr ihrem ganzen Leben nicht!

Bei dem Marsch gibt verschiedene Startpakete die man kaufen kann. Wir haben das kleinste für 40 Euro genommen. Dies enthält nur die Starterlaubnis, sowie Verpflegung (Wasser auffüllen + kleine Snacks) an den Streckenposten. Es gäbe auch noch die Möglichkeit sein Gepäck transportieren zu lassen. Die Streckenposten kommen in regelmäßigen Abständen von ca. 20 km. Natürlich darf man zu jeder Zeit Pause machen so oft und so lange man möchte.

UNSER AUFENTHALT IN MÜNCHEN

Wir sind am Freitag schon in München angereist, weil wir vor dem großen Lauf noch einen Tag zum entspannen wollten. Wir haben im Ruby Lilly Hotel genächtigt, ein ganz süßes und vor allem unglaublich fotogenes Hotel (ganz wichtig für uns Blogger :D). Also haben wir es uns vor dem Mammutmarsch noch mal richtig gut gehen lassen, haben lecker gegessen, Kaffee getrunken, auf der Dachterrasse gelümmelt und einfach einen entspannten Tag gehabt! Und es gibt nichts besseres als nach so einer Belastung in einem weichen Hotelbett zu landen!

Aussicht aus unserem Hotelzimmer im Ruby Lilly Hotel München 🙂

DER MARSCH UND MEINE ERFAHRUNGEN

Vor dem Lauf wusste ich nicht ob ich mich freuen oder Angst haben soll. Nachdem wir unseren Rucksack im Hotel gepackt hatten wurde uns aber richtig mulmig. Wir hatten bei unseren Probeläufen nie die gesamte Ausrüstung dabei und waren im ersten Moment geschockt wie schwer er wurde. Es hat sich allerdings schnell herausgestellt, dass der Rucksack unser kleinstes Problem sein wird, auch wenn wir durch ihn deutlich langsamer waren als in unserem Training. (Ein guter Rucksack ist extrem wichtig für solch einen Lauf!)

Um 15.30 Uhr ging es voll motiviert mit unserer Startgruppe los. Ich weiß nicht aus wie vielen Leuten eine Startgruppe bestand, wir waren jedenfalls ein riesen Rudel. Das hat sich aber alles ziemlich schnell vermischt und bald ist man den verschiedensten Leuten aus anderen Startgruppen begegnet. Oft sind wir einfach nur zu zweit gelaufen, manchmal hat man sich mit den anderen unterhalten. Zu Beginn war zumindest immer jemand in der Nähe und man war nie alleine.

Nach ca. 15 Kilometer fing es schon ein bisschen an weh zutun, die Beine wurden schwer und die Motivation ließ nach. Die Wunderwaffe: Gummibärchen. Natürlich soll man sich nicht nur von Süßigkeiten ernähren, aber die Dinger haben uns manchmal den Arsch gerettet. Bei Kilometer 23 kam dann der erste Streckenposten. Dort konnten wir unser Wasser auffüllen, auf Toilette gehen und bekamen ein paar Snacks (trinken und essen ist bei solch einem Marsch so unglaublich wichtig!! Der Körper muss durchgehend versorgt bleiben, da er diese Belastung sonst nicht lange durchhalten wird). Wir haben auch bei jeder Pause unsere Gelenke mit Schmerzgel eingecremt, das wirkt auch schon Wunder!

Unsere Pause ging ca. 20 Minuten und danach ging es uns auch schon gleich viel besser. Wir waren wieder motiviert, die Beine fühlten sich besser an und wir hatten wieder genug Kraft. Nach ca. 25-30 Kilometern fing es dann an zu dämmern und da wir durch den Wald gelaufen sind, wurde es extrem schnell dunkel. Alleine hätte ich sofort Panik bekommen, aber es waren immer genug Leute vor und hinter uns, sodass man sich durchgehend sicher gefühlt hat. Mit der Taschenlampe ging es dann ein ganzes Stückchen durch den Wald bis wir bei einem Wohngebiet rauskamen.

Keine zwei Schritte im “freien” fing es heftig an zu regnen und zu gewittern. Wir hatten zum Glück ein zweites Schuhpaar dabei welches wir angezogen hatten, sodass unsere “richtigen” Laufschuhen nicht nass wurden. Dann kam noch unser schickes Regencape drüber und so konnte es weitergehen. Spaß gemacht hat es allerdings kein bisschen.

So viele Stunden im dunkeln zu laufen ist sowieso nochmal eine andere Hausnummer. Die Stimmung wird schlechter und ich war gleich viel demotivierter. Vielleicht lag es aber auch am Gewitter oder an der Mischung aus beidem. Aber man kommt nachts immerhin viel schneller mit den anderen ins Gespräch, weil man bloss nicht alleine laufen möchte. 😀 Irgendwann in der Nacht fing meine Leiste an zu schmerzen. Natürlich tut einem irgendwann ziemlich viel weh. Da muss man einfach drüber wegsehen.

Irgendwann erreichten wir dann gegen Mitternacht den zweiten Streckenposten – 39 Kilometer. Wir haben eine kurze Pause gemacht, Wasser aufgefüllt und uns gedehnt. Meine Leiste wurde allerdings immer schlimmer. Nach den 39 Kilometern waren schon nicht mehr all so viele Leute unterwegs und die Grüppchen wurden immer kleiner. Und es regnete und gewitterte und regnete und gewitterte ..

Ich muss sagen, ab dem Zeitpunkt hatte ich dann auch durchgehend schlechte Laune. Mir sind ständig die Tränen in die Augen geschossen und ich weiß selber nicht warum. Ich wollte weiterlaufen und mindesten 70 Kilometer erreichen, aber nach 45 Kilometern war Schluss. Es war vernünftiger aufzuhören. Natürlich hat zu diesem Zeitpunkt jeder Schmerzen und die anderen Wehwehchen an meinen Füßen und Beinen waren mir auch total egal. Jedoch hat mir meine Leiste wirklich einen Strich durch die Rechnung gemacht, es ging einfach nicht mehr …

Ich bin total wütend und enttäuscht von mir selbst, da wir in unserem Probelauf bereits 50 km geschafft hatten (mehr zur Vorbereitung folgt in einem weiteren Blogbeitrag) und ich zumindest das übertreffen wollte! Natürlich kann ich trotzdem stolz auf mich sein! 45 Kilometer ist eigentlich eine super Leistung. Wenn man bedenkt, dass am ersten Streckenposten (23km) schon so viele Leute ausgestiegen sind, nach dem zweiten Streckenposten (39km) nur noch eine Handvoll weitergelaufen ist und davon nur ca. 180 Menschen (von anfangs über tausenden Menschen) bis zu Kilometer 76 gekommen sind (darunter Mary!! proud of you). Und davon wieder nur eine Handvoll weitergelaufen bzw. gehumpelt ist , kann man sich ja vorstellen wie groß die Chancen sind ins Ziel zu kommen. Es ist nur so schade, mein Kopf wollte unbedingt weiter laufen, mein Bein konnte nur einfach nicht mehr …

Trotzdem bin ich froh, dabei gewesen zu sein. Es ist schon wirklich eine Erfahrung die jeder machen sollte. Man muss an seine Grenzen gehen und sich überwinden, über sich selbst hinauswachsen und kämpfen! Man durchlebt so viele unterschiedliche Phasen, von voller Motivation bis zur “mir ist alles scheißegal” Einstellung, zurück zur guten Laune, bis zur reinen Verzweiflung – und im nächsten Moment freut man sich wieder und plötzlich stehen einem wieder die Tränen in den Augen und man möchte einfach nur weinen ..

NACH DEM MAMMUTMARSCH IST VOR DEM MAMMUTMARSCH

Wir haben von Anfang an gesagt, falls wir den Marsch nicht schaffen bzw. unser persönliches Ziel von 70-80 Kilometern nicht erreichen, laufen wir ihn nochmal. Während dem Mammutmarsch war ich mich sicher, dass ich sowas NIE WIEDER machen werde. Jedoch bin ich so enttäuscht von meiner Leistung, dass ich das so nicht auf mir sitzen lassen kann. Ich möchte mir selbst beweisen, dass mehr in mir steckt. Daher werde ich erneut die 100 Kilometer in Angriff nehmen! Jedoch erst nächstes Jahr.

Also falls du auf der Suche nach einer neuen sportlichen Herausforderung bist, ab zum Mammutmarsch! Spaßig ist allerdings was anderes. 😉

Foto by Julius Ise

Ein Beitrag über Tipps wie du dich für solch einen Marsch vorbereiten solltest, welche Ausrüstung du brauchst, was wir alles falsch gemacht haben und was wir das nächste Mal ändern werden folgt demnächst! 🙂

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1 Kommentar

  1. Patrick
    Oktober 17, 2017 / 11:24 am

    Trotzdem eine super Leistung. Man müsste für 100 km in 24 Stunden 4,1 km/h laufen, das ist schon ziemlich schnell muss ich sagen….

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