Mein erster Jakobsweg – eine wunderschöne Erfahrung

NEVER STOP WALKING. Mein erster Jakobsweg.

Ein leerer Kopf. Völlige Entspannung. Freiheit. Brennende Füsse.

Das sind die Gefühle die mich überkommen, wenn ich an den Jakobsweg zurückdenke. Ich habe mich schon lange nicht mehr so gut gefühlt wie in diesen zwei Wochen. Und jetzt, jetzt sitze ich wieder alleine zu Hause in meinem Bett. Und vermisse die Menschen, die Freiheit, die Gelassenheit. Ich bedaure, dass diese wundervolle Zeit vorbei ist.

Für mich gehört die Zeit auf dem Camino zu einer der schönsten die ich bis jetzt hatte. Ich habe wundervolle neue Menschen getroffen, die ich wahnsinnig vermisse. Nach ein paar wenigen Tagen fühlte es sich fast so an, als würde man sich bereits sein Leben lang kennen. Jeder Abend wurde gemeinsam verbracht. Wir saßen draußen vor den Herbergen, auf den Wiesen, haben Bier getrunken, geredet, gelacht und die Route für den nächsten Tag geplant. Wir haben gemeinsam gekocht, gemeinsam gejammert und es gemeinsam durchgezogen.

Ich wollte den Jakobsweg alleine laufen, mir die richtigen Fragen stellen und zu mir selbst finden. Stattdessen habe ich zu den besten Menschen gefunden. Zu Menschen mit komplett anderen Einstellungen zum Leben. Vermutlich besseren Einstellungen. Was ich also gelernt habe? Es ist nicht wichtig, Dinge zu besitzen. Niemand schert es, ob man jeden Tag die selben Socken trägt, nur zwei Oberteile dabei und zerzauste Haare hat. Es ist egal, ob man sich die Toilette mit 20 anderen Frauen teilen muss und es ist egal, ob man mit 50 Menschen in einem Raum schläft.

Das einzige was zählt, sind die Menschen um dich rum. Es müssen nur die richtigen sein. Und die, die habe ich auf dem Jakobsweg gefunden. Alles andere war egal. Nur die Leute haben gezählt. Und der Weg. Das Handy war mir egal. Instagram war mir egal. Die Außenwelt war mir egal. Was wirklich gezählt hat, war das hier und jetzt.

Ich habe das Gefühl von absoluter Freiheit kennengelernt. Noch nie zu vor, war ich so frei. Ich kann dieses Gefühl nicht mal richtig in Worte fassen. Frei von negativen Gedanken, frei von Sorgen und Ängste, ich konnte mich einfach fallen lassen. Ich war noch nie so entspannt, so glücklich, so befreit.

Die Füße haben tagtäglich geschmerzt. Manchmal war es wahnsinnig heiß. Die Sonne hat gebrannt. Die Beine wurden schwerer. Und ich wollte nicht mehr Laufen. Aber ich bin gelaufen und gelaufen und gelaufen. Alles Kopfsache. Die letzten 5 Kilometer waren oft eine Qual. Manchmal sind wir stillschweigend nebeneinander gelaufen, manchmal bin ich mit meinem eigenen (viel schnelleren) Tempo davon gerannt, manchmal haben wir uns gegenseitig motiviert. Und nach der Dusche, mit dem ersten Bier in der Hand, mit diesen tollen Menschen um mich rum, waren die brennenden Füße und schmerzenden Beine wieder vergessen.

Ich bin mir zu 100 Prozent sicher, dass ich all das auch alleine geschafft hätte. Vielleicht hätte ich alleine noch mehr geschafft. Aber gemeinsam, gemeinsam war es leichter.

“Du bist aber mutig” habe ich einmal gehört. Mut? Nein, Mut braucht man nicht für den Camino. Man muss nur laufen, laufen und laufen. Der Rest ergibt sich alleine.

Ich hatte ein ganz anderes Leben, einen anderen Alltag, andere Behausungen wie ich sie nicht kannte – zu erst war es mir fremd, nicht geheuer und dann, dann wünschte ich all das, hätte niemals geendet. Schon ganz bald, wird man mich auf dem nächsten Jakobsweg finden, auf einem viel längeren.

Jeder sollte das tun. Ja, auch du.

Wenn ich an diese Zeit zurück denke, überkommen mich so viele Erinnerungen und Gedanken die ich alle gar nicht in Worte fassen und aufschreiben kann. Wichtig ist aber auch nur, dass ich sie nicht vergesse und immer behalten werde.

Und der Abschied. Der Abschied war das Schwerste. Zu wissen, dass man all diese wunderbaren Menschen in dieser Kombination wahrscheinlich nie wieder sehen wird. Dass man nie wieder abends zusammen sitzt und ein Bier trinken wird. Wir hatten 2 Wochen lang ein gemeinsames Leben. Aber diese 2 Wochen fühlten sich wie eine Ewigkeit an. Für mich fühlten sie sich richtig an. Bei diesen Gedanken kommen mir schon fast die Tränen und Traurigkeit überkommt mich. Aber ich werde den Jakobsweg in positiver Erinnerung behalten.

Ganz viel Liebe an Chrissi, Dave, Simon, Katha, Madre, Marek und ja, sogar an Gerda. Und auch an Ralf, Linda und Jo. Und an all die anderen, die ich für einen Tag kennenlernen durfte.

 In diesem Sinne, Pause!?

1 Kommentar

  1. Patrick
    Juni 26, 2018 / 11:49 am

    Im Endeffekt sind wir alle Menschen und manche verstehen das nicht. Anstatt gemeinsam schöne Dinge zu erleben, kämpfen sie zT gegeneinander um mehr Macht zu besitzen, aber was bringt dir diese Macht, wenn du alleine bist? Naja…ich glaube dir, dass es eine einmalige Erfahrung war und es schwer ist dich davon zu trennen, aber genau deshalb versuche ich mich nie an etwas zu gewöhnen, egal was es ist. Es kann sich nämlich alles plötzlich ändern und man muss zu Alternativen greifen. Anfangs wird es uns eben immer schwer fallen, wie dir die ersten Tage, aber es wird leichter, wenn man schon darauf vorbereitet ist.

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